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Tag Archives: Prosa

Im freien Fall

Erinnerungen beginnen meist auf der Wende vom zweiten zum dritten Lebensjahr. Sind sie zunächst nur einzelne Schlaglichter, so verdichten sich die von jähen Schnitten unterbrochenen Kurzfilme über die Zeit zu einem kontinuierlichen Strom aus Bildern und Klängen. Die frühen Erinnerungen sind fragmentarisch und anekdotisch; oft ist es kaum möglich, zwischen nachträglich durch Erzählungen eingefügten Geschichten [...]

Bildbeschreibung

Der sepiabraune Hintergrund lässt nur wenige Details erkennen. Es könnte eine Ziegelmauer sein oder eine Holzwand oder ein aufgespanntes Tuch, oder es könnte ein Felsen sein. Er lächelt. Die Schutzbrille ist über die Stirn geschoben, und die linke Hand verharrt noch in der Bewegung, neben dem Kopf, mit halb geöffneten Fingern. Die Haare sind bedeckt [...]

Drei Träume

Begegnung beim Einkauf
Ein paar Stunden bin ich durch die Stadt gewandert. Mein Weg hat mich weit in den Süden geführt, zu einigen kleineren, versteckt gelegenen Antiquariaten. Am späten Nachmittag gehe ich langsam die breite Hauptstraße entlang, die in einer sanften Steigung in die Innenstadt führt. An einer Eisdiele bleibe ich stehen. Sie liegt ein paar [...]

Der staunende Blick

Dienstags bin ich oft im Elektra. Dieses Mal lässt mich Jakob lange warten. Ich rede mit H. und D. Zwischendurch schaue ich immer, ob er kommt und die Bestellung aufnimmt. Jedes Mal registriere ich die Frau vom Nebentisch. Beim ersten Mal hört sie mit lauschendem Gesicht ihrem Nachbarn zu. Beim zweiten Mal lächelt sie still [...]

Still fahren wir nach Haus

Nachmittags bemerke ich immer wieder Mädchen, die aussehen wie die, mit denen ich zur Schule gegangen bin. Eine war mir besonders wichtig. Sie kam immer zu Fuß, da sie in der Nähe wohnte, in einem der neuen Reihenhäuser, schräg gegenüber dem alten, baufälligen Schulgebäude. Sie hieß Jule. Oder Imogen. Oder Claudia.

Samstag, drei Uhr nachmittags

Es war still, nicht einmal Vögel waren zu hören. Von ferne wehte ein leichter Wind das Rauschen der Autobahn zu uns herüber. Herr Müller stand vor der Garage und schien auf etwas horchen. “Hörst du das?”, flüsterte er. Er wies in einer weit ausholenden Geste vom Boden zum Himmel. “Man hört nichts. Über. Haupt. Nichts.” [...]