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Drei Dichter im Krieg

Ausgestorbene Straßen, verlassene Gärten; ein endlos langer Heerzug wandert müde durch die sanft gewellte Landschaft. Es gibt keine Feinde, sie sind tot oder geflohen. Die Häuser sind herrenlos, die Kühe werden nicht mehr gemolken, Hunde und Ziegen irren umher. Überall stehen die Türen offen. Die Krieger spazieren in die Wohnungen, nehmen Platz und speisen aus den gefüllt wartenden Schüsseln. Ernst Jünger reitet langsam an den rastenden Soldaten vorbei. Der Hauptmann einer Nachschubeinheit führt seine Truppe durch menschenleere Dörfer und Kleinstädte in Richtung Paris. Er inszeniert den Frankreichfeldzug in “Gärten und Straßen” als Wanderung durch eine surreale Traumlandschaft. 1942 erscheint das Buch und wird in der rasch besorgten Übersetzung ein Verkaufserfolg in Frankreich.

Felix Hartlaub wird am 17. Juni 1913 als Sohn des Kunsthistorikers Gustav Hartlaub geboren. Schon früh fallen seine zeichnerischen und literarischen Talente auf. Diese Doppelbegabung lässt ihn lange schwanken. Nach Intermezzi in Mannheim und Neapel entscheidet er sich für das Studium der Geschichte und der Romanistik in Heidelberg und Berlin. Er konzentriert sich in seiner Freizeit ganz auf das Schreiben. Kurz nach seiner Promotion wird er eingezogen. Nach einigen Einsätzen freigestellt, geht er als Historiker zur “Archivkommission des Außenamtes” nach Paris. Anschließend arbeitet er als Redakteur für das Kriegstagebuch des OKW. Abends schreibt er ein geheimes Notizbuch über seine Erlebnisse im Sperrkreis des Führerhauptquartiers. Seit den ersten Maitagen 1945 gilt Felix Hartlaub als vermisst.

Nach der Promotion als Germanist arbeitet der am 4. Dezember 1899 in Bremen geborene Friedo Lampe als Bibliothekar und Lektor. Das Propaganda-Ministerium verbietet seinen Romanerstling “Am Rande der Nacht” wenige Wochen nach dem Erscheinen im Sommer 1933. Der Roman “Septembergewitter” kann 1937 nur nach umfassenden Streichungen und Änderungen gedruckt werden. Die Druckvorlagen für die Novellensammlung “Von Tür zu Tür” schmelzen 1944 bei einem Bombenangriff auf Leipzig. Rotarmisten erschießen Friedo Lampe am 2. Mai 1945 in Kleinmachnow.

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