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Der Gutshof von Doktorsdhünn

Die Dhünn ist ein linksseitiger Zufluss der Wupper und mündet in ihr nur sehr knapp vor der Wuppermündung zum Rhein. Zwischen Wermelskirchen, Wipperfürth, Kürten und Odenthal ist sie zur Dhünntalsperre aufgestaut, die mit 380 Metern Kronenlänge zu den größten Sperrwerken der Welt gehört. Für sie werden einige Dörfer umgesiedelt, auch Doktors­dhünn, das sich in den Kirchenbüchern bis in das 17. Jahrhundert verfolgen lässt.

Einen halben Kilometer vor Doktorsdhünn liegt ein Gehöft namens Tiefensiepen, das ursprünglich um eine Mühle herum angelegt wurde. Der Begriff Siepen oder Siefen weist auf einen angestauten Teich hin, dessen Abfluss eine Mühle antreibt. 1812 siedelt in Tiefensiepen ein Hermann vom Stein und legt den Grundstein für einen Gutshof, der von Generation zu Generation ausgebaut wird.

Das Gutshaus ist das Zentrum von Tiefensiepen. Auf Anhieb als Wohnhaus des Besitzers erkennbar, ist es durch die Gründerzeitfassade, die Freitreppe mit dem schmiedeeisernem Handlauf und das kleine Türmchen mit Kuppel ein Fremdkörper unter den Fachwerkhäusern. Die Freitreppe endet in einer Veranda und führt zu der massiven Doppeltüre, die sich zu einem großen Entree öffnet. Dieser Eingangsbereich ist auf einen kleinen Park gerichtet, der linkerhand von einem künstlichen Bach flankiert ist.

Eine kleine Bogenbrücke führt zu der Straße nach Doktorsdhünn. Rechts neben dem Wohnhaus der Pferdestall mit seinen dorischen Säulen aus Gusseisen. Haus und Stall bilden mit einem direkt vom Küchentrakt aus betretbaren Wirtschaftsgebäude einen U-förmigen Bau. Daneben und dahinter die anderen Ställe für die Kühe und die Schweine, einige Mieten, zwei Silos und die Nebengebäude mit den Zimmern der Knechte und Mägde. Um Tiefensiepen herum schließlich die Ländereien, die in den Besitz des Gutsherrn gehören.

Niemand ist mehr dort, kein Mensch oder Tier, nur das Wasser. In diesem Jahr ist eine große Dürre über dem Land und der Wasserspiegel sinkt, bis die Spitze des Kirchturms von Doktorsdhünn erscheint. Noch ist sie sichtbar, doch eines Tages wird es regnen, und das Wasser ist wieder ruhig und glatt, und es sind wieder Wanderer an der Küste von Odenthal.

(2005)

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