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Camelot

Göttingen liegt am Westrand einiger Höhenzüge, die weiter östlich in den Harz übergehen. Die Stadt zählt 120.000 Einwohner und ist Hauptort eines Landkreises von Niedersachen, der weit in hessisches Gebiet reicht.

Nachweislich seit dem 7. Jahrhundert besiedelt, wächst das Dorf im Hochmittelalter zur Stadt und tritt der Hanse bei. Im 18. Jahrhundert ist es Domäne des Kurfürstentums Hannover. Dieses besitzt seit der Personalunion mit England Prestige, aber keine Universität.

Georg II. August eröffnet 1734 die bis heute bestehende Hochschule. Ebenso bekannte wie eigenwillige Wissenschaftler lehren und forschen hier. Georg Christoph Lichtenberg macht die bissige Bemerkung zum literarischen Genre und erfindet den Fotokopierer. Carl Friedrich Gauß erschafft mehr als zwei Dutzend mathematischer Methoden und Ideen, schreibt sie aber oft nur in sein Tagebuch.

Die große Zeit der Universität jedoch ist das halbe Jahrhundert vor 1933. Der Mathematiker Felix Klein wird 1880 zum Kollegen des Mathematikers Bernhard Riemann. Er fördert David Hilbert und gründet in Göttingen die Tafelrunde der Mathematik, in der mathematische Grundlagen der Relativitätstheorie und der Quantenphysik entstehen.

Diese geistige Atmosphäre zieht auch den Relativitätstheoretiker Karl Schwarzschild und den Quantenphysiker Werner Heisenberg an. Sie alle prägen die Forschung – auch für die Zukunft. Der Göttinger Ordinarius David Hilbert stellt 1900 eine Liste mit 23 Problemen vor, die von seinen Kollegen demnächst zu lösen seien. Die Mathematiker arbeiten bis heute daran; es gibt noch drei offene Fragen.

Die Zeit der Heroen endet, als die Nationalsozialisten 1933 in kürzester Zeit alle jüdischen Professoren aus der Universität und dem Land vertreiben. Ein Jahr später trifft David Hilbert zufällig auf Reichserziehungsminister Rust, der sich interessiert erkundigt, wie denn nun die Mathematik sei, endlich ohne jüdischen Einfluss. Hilbert entgegnet: “Mathematik in Göttingen? Gibt es nicht mehr”.

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