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Gott ist nicht tot, er ist nur sehr weit weg

Es ist kaum möglich, die drei Romane “Valis” (1981), “The Divine Invasion ” (1981) und “The Transmigration of Timothy Archer” (1982) von Philip K. Dick auf einen Nenner zu bringen. Die kürzeste Erläuterung geht wohl ungefähr so: Ausgangspunkt der Handlung ist das Theodizee-Problem. Dicks Lösung lautet, dass Gott von einem feindlichen Dämon auf einem fernen Planeten gefangen gehalten wird. Die Romane schildern den Versuch einiger Menschen, an dieser Tatsache nicht irre zu werden.

Allerdings: Beim Valis-Komplex sind, wie meist bei Dick, weitere Interpretationen möglich. Wie alle Werke von Dick ist er viel zu unruhig, sprunghaft und noir. Wer wissen will, welch totale Verwirrung dieser Autor auslösen kann, konsultiere die Amazon-Rezensionen zum Buch. Da könnte auch einer der spöttischen Kofferpsychiater aus dem Philip K. Dick-Universum kaum helfen.

Philip Kindred Dick oder – als Insider-Kürzel – PKD ist ein Mensch mit einem echten Pop-Lebenslauf. 1928 geboren, arbeitete er Anfang der 1950er Jahre in einem Plattenladen, um sich danach als Autor für SF-Pulp-Magazine und später für SF-Verlage Schritt für Schritt an die Spitze des Genres zu schreiben. Der Besitzer einer gigantischen Plattensammlung, Speed/Kif-User, Verehrer der deutschen Literatur und vieler dunkelhaariger Mädchen war bis zu seinem frühen Tod 1982 eine schräge Mischung aus Beatnik und Visionär.

Ein wichtiger Aspekt der meisten seiner Kurzgeschichten und Romane ist die einfache Frage, wie ein Mensch (oder eine andere Lebensform) die Idee der Humanitas erkennen und verwirklichen kann. Es wimmelt in seinen Büchern von Alien-Agenten, die sich für Menschen halten; Menschen, die sich wie eiskalte Maschinen benehmen; sanftmütige Roboter, die als einzige für Menschlichkeit einstehen und Undercover-Cops, die nicht merken, dass sie angefangen haben, sich selbst zu beschatten.

Dick war Ende der 70er Jahre nach seinem Drogen/Paranoia-Epos “A Scanner Darkly” (1977) und einer mystischen Vision (Drogen? Schlaganfall? Erfindung?) bereit für die letzten Dinge. Die Idee, dass wir Menschen in einer Nichtrealität leben und von einem Computer oder einem anderen Wesen gedacht werden, hatte er schon in “Ubik” (1969) durchgespielt. In der Valis-Trilogie spitzte er dieses Thema zu, bis zu der gnostischen Erkenntnis, die Welt sei der Wahn eines blinden Gottes. Oder in seinen eigenen Worten:

Das Universum ist Information,
und wir sind darin gespeichert.

Philip K. Dick, Die Valis-Trilogie.
(Valis, Die göttliche Invasion, Die Wiedergeburt des Timothy Archer)
Heyne Verlag, München 2002. 925 Seiten. EUR 13,95
ISBN 3453217276

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