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Lichtbringend, rasch entflammt

Ceci n’est pas une blog. Ich schreibe hier so, wie ich es lesen will. Ich halte mich beim freien, nicht für den Erwerb gedachten Schreiben ungern an Regeln. Die Texte in meinem Brotberuf sind journalistisch durchformatiert. Hier dagegen nutze ich die Freiheit, die mir ein Veröffentlichen in eigener Regie bietet.

Leider musste ich genau dieses freie Schreiben in den letzten Monaten aussetzen.  Zum einen bin ich im November Vater eines Sohnes geworden und erst einmal vollkommen in meine neue Rolle hineingeschlüpft.  Zum anderen hat mich die Wirtschaftskrise recht hart getroffen und ich musste intensiv neue (bezahlte) Aufträge heranschaffen.

Die Rekonstruktion meiner wirtschaftlichen Existenz ist noch nicht ganz abgeschlossen, aber im Moment habe ich wieder mehr Freiheiten — und auch mehr Seelenruhe für die Denkschriften und den Jazzpartisan. Ich hoffe, dass es mir in den nächsten Monaten gelingt, hier etwas mehr Regelmäßigkeit hinein zu bringen und überhaupt wieder ein paar Leser zu bekommen.

Ein Beginn ist schon gemacht. Und nun möchte ich zwei Autoren empfehlen, die abseits jedweden Mainstreams publizieren, außerhalb der festgefügten Argumentationsmuster stehen und sich zu allem Überfluss auch noch allen Gepflogenheiten des Internets verweigern — keine Links, keine Kommentare, keine Bilder oder Videos, keine nach Datum organisierte Textschlange, überhaupt nichts Bloggiges.

Der neue Phosphoros

Claus Koch gehört zu dem interessanten Jahrgang 1929, der in Deutschland so anregende Intellektuelle wie Ralf Dahrendorf, Hans Magnus Enzensberger, Jürgen Habermas, Uwe Johnson, Heiner Müller oder Peter Rühmkorf hervorgebracht hat. Koch gehörte allerdings niemals zu den Modeintellektuellen und allzuständigen Statement-Maschinen. So auch heute im Internet, in dem er unter dem Titel “Der neue Phosphorus” essayistische Zeitanalysen veröffentlicht, die vor allem durch ihren abgeklärten, unterkühlten und jede übliche Aufgeregtheit vermeidenden Ton auffallen. Es handelt sich um ein “Enlightenment” aus der wissenschaftlichen, publizistischen und gelebten Erfahrung heraus. Das der Tonfall hin und wieder etwas apokalyptisch wirkt, mag einer Generationserfahrung geschuldet sein.

Fackelkopf

“Intellektueller Querulantismus” nennt Bruno Preisendörfer das Genre seines Internetmagazins “Fackelkopf“, dessen Name auf ein  rhetorisch unterfüttertes Dampfablassen verweist. Es ist noch recht neu, besticht aber durch großartige Kolumnentitel wie “Hi Hitler”, unter dem offensichtlich (oder eher: soweit erkennbar) die Besessenheit der Deutschen von diesem Herrn abgehandelt wird — in E-Mails an denselben. Das ist natürlich eine Provokation.  Sie sei jedoch einem Manne erlaubt, dem sogar natürliche Feinde aus der neokonservativen Szene die schöne und trotzdem fast ausgestorbene Eigenschaft eines Klassenstandpunkts attestieren. Hier gibt es — vielleicht sogar länger als zwei Wochen — ein Radiointerview mit dem Macher.

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