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Ausflug zum Nachbarn

Die Maschinen werden nicht schlau aus dem Mars: Sie stürzen ab, hören auf zu arbeiten, schürfen nicht tief genug, erkennen die Stoffe nicht, bleiben im Sand stecken. Die Menschen werden irre am Mars. Sie starren zu ihm hinüber, warten auf … eine Erscheinung? Fürchten Sie ein Zeichen aus der Ferne? Die Gesichter und Artefakte verschwinden, sobald wir sie in den Blick nehmen. Mars entzieht sich, als sei er ein Gott und nicht bloß der vierte Stein der Sonne.

Bei Ray Bradbury ist der Mars ein Abbild unserer geistigen Landschaft; fremdartig und altbekannt zugleich. In seiner ernst-ironischen und eleganten Episodenerzählung “Die Mars-Chroniken”, berichtet er — in ein schönes, ruhiges Deutsch übertragen — die Geschichte einer Begegnung mit dem Fremden. Die erzählte Zeit erstreckt sich über kaum mehr als ein Vierteljahrhundert; doch es reicht vollkommen für Unverständnis, Gewalt und borniertes Denken.

Ohne Menschen war der Mars eine flirrende, belebte, vom Geist erfüllte Landschaft. Die Menschen der Erde bringen die Wüste ihrer betonierten Existenz mit sich. Am Ende ist der Mars so, wie wir ihn heute kennen — fern, leer und voller Geheimnisse. Dem Buch ist die Befürchtung anzumerken, das es der Erde ebenso ergehen könne.

Ray Bradbury: Space Opera.
(Fahrenheit 451. Die Mars-Chroniken. Der illustrierte Mann)
Diogenes 2008, 3 Bd. i. Schuber, 960 S, 39,- EUR
ISBN: 3257066503

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