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Samstag, drei Uhr nachmittags

Es war still, nicht einmal Vögel waren zu hören. Von ferne wehte ein leichter Wind das Rauschen der Autobahn zu uns herüber. Herr Müller stand vor der Garage und schien auf etwas horchen. “Hörst du das?”, flüsterte er. Er wies in einer weit ausholenden Geste vom Boden zum Himmel. “Man hört nichts. Über. Haupt. Nichts.” Er lächelte in sich hinein. Dann nickte er entschlossen. “Noch nichts,” sagte er mit Betonung.

Herr Müller ging in die Garage und schob seinen Toro heraus. Es war eines von den neuen Modellen, die man nicht mehr schieben musste, da sie von alleine fuhren. Er warf ihn an, stellte den Leerlauf ein und ließ den Motor durch einen kurzen Zug am Gas ordentlich knattern.

Wir setzten uns auf die Veranda. Er beugte sich zu dem kleinen Kühlschrank herüber, den Müllers auf der Veranda stehen hatten. “Eine Fanta? Wir werden wohl noch etwas warten müssen.” Ich ersparte mir eine Frage, nahm die kleine Flasche und trank. Wir lauschten dem laut röhrenden Rasenmäher. Nach einiger Zeit sprang Herr Müller auf und stellte den Motor ab.

Irgendwo in der Nähe hörte man ein unruhiges Brummen – ein anderer Mäher. Er lief nicht im Leerlauf, sondern mähte tatsächlich einen Rasen. Dann heulte neben dem Nachbarhaus ein weiterer Rasenmäher auf, der beim Start auf dem festen Boden etwas zuviel Gas bekommen hatte. Nach ein oder zwei Sekunden ging das Heulen in das bekannte Knattern über und entfernte sich langsam von uns.

Nach und nach fielen aus allen Richtungen mehr Rasenmäher ein, aggressiv brummende Zweitakter ebenso wie die ruhiger laufenden Toro-Viertakter. Das ganze Wohnviertel füllte sich langsam mit diesem Samstagnachmittagsgeräusch. Es verschmolz mit dem Rauschen der Autobahn zu einem auf- und abschwellenden Konzert. Herr Müller lehnte sich lächelnd zurück und schloss die Augen.

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