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Lesebuchgefühle

Die Schule hatte für mich bis zur Oberstufe nur wenig Zauber. Doch einmal im Jahr weckte sie meine Neugier, denn das frische Lesebuch des jeweiligen Schuljahres wurde verteilt. Ich konnte es kaum bis Schulschluss erwarten. Zu Hause angekommen, fläzte ich mich in einen Sessel und blätterte es von vorne bis hinten durch.

So ein noch ungelesenes Buch verhieß Neues und Unerwartetetes. Mit wachsender Spannung stöberte ich hier ein wenig, las mich dort fest und ließ mich von der bunten Mischung faszinieren. Dieses Lesebuchgefühl galt einer literarischen Wundertüte, die Prosa und Lyrik wild mischte mit Zeichnungen, Fotos, Zeitungsartikeln und anderen Dingen.

Nicht nur wegen des Umfangs von einigen hundert Seiten erinnern mich die ersten Ausgaben der Zeitschrift Kultur & Gespenster an ein Lesebuch. Diese Zeitschrift für Kulturwissenschaften (mit einem literarischen Schwerpunkt) mischt Literatur, Comic, Kunst, Kino und Fotografie. Laut Selbstauskunft ist Kultur & Gespenster ein “essayistisches Kulturmagazin ohne Aktualitätszwang, dafür mit offenen Textformen für intellektuelles Flanieren und gründliche Debatten”.

Tatsächlich bietet die Lesebuchzeitschrift in den bisherigen Ausgaben jeweils einen Schwerpunkt, der aber durch die geistreichen Zugriffe der Autor(inn)en zu einer bemerkenswert bunten Themenmischung gerät. Gerade ist die dritte Ausgabe erschienen, die sich unter dem Titel “Wirklich wahr” in einem ersten Teilband dem Film widmet. Im April geht es dann mit dem zweiten Teilband in der vierten Ausgabe weiter.

Diesmal sind unter anderem Ernst Jünger, Franz Jung, Ror Wolf, Herodot und Ryszard Kapuscinski im Fokus. Außerdem geht es um literarischen und filmischen Dokumentarismus, Kneipen-Jobber und andere Hipster, den Fetischismus des Kaffeetrinkens und um das Ende der Ahnungslosigkeit. Kurz und gut: Hier habe ich wieder dieses Lesebuchgefühl …

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