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Category Archives: Zeitschrift

Antworten, die wir noch nicht erfragt haben

Die meisten Journalistenmänner — ob nun gedruckter oder versendeter Medien — sehen sich selbst als abgebrühte Typen mit einem leichten Einschlag ins Zynische und wähnen sich im Besitz von Eiern aus Stahl. Doch es ist recht einfach, eine Meute dieser Kerle in einen Haufen aufgescheuchter, hysterisch gackernder Hühner zu verwandeln. Das hat Christian Kracht im [...]

Ich lüfte den Hut, obwohl mir nicht warm ist

Die Floskel “Hochachtungsvoll” ist nur eine solche und außerdem ausgestorben. Es ist heute leider kaum möglich, jemandem seine Wertschätzung auszudrücken, ohne in Peinlichkeit zu enden. Meist wird “Respekt” geäußert – einer von vielen Anglizismen, die einen guten deutschen Begriff durch ein schwaches Lehnwort aus dem Englischen ersetzen, denn “respect” bedeutet in erster Linie “(Hoch-)achtung”.

Das wirkliche Intelligenzblatt

Intelligenz bedeutete in der Vergangenheit schlicht Information oder Nachricht. In Zukunft wird damit eher die Fähigkeit gemeint sein, in Pisa-Tests nicht zu versagen. In der Mitte zwischen diesen beiden Polen liegt “Die Gazette“, eines der wenigen wirklichen Intelligenzblätter der Deutschen. Ein breites Spektrum an hochkarätigen Autoren erkundet in diesem “politischen Kulturmagazin” die “kulturellen Grundströmungen der [...]

Eine edle Mumie

Etwas entfernt vom Merkur – links davon – sehe ich weitere Regalböden, von Paperbacks in bunten Farben überquellend. Ich habe sie platzsparend in zwei Reihen hintereinander gestellt. Von der Nummer 65 (“Der große Bruch – Revolte 81″) bis Nummer 160 (“Die neuen Rituale”) sind es ziemlich genau ein Meter und siebzig Zentimeter. So lang [...]

Zwanzig Jahre

Wenn ich an meinem Schreibtisch sitze und über den Rand des Monitors schaue, erblicke ich im gegenüberliegenden Regal zwei Reihen und eine halbe aus hellen, graubeigen Bänden: Den Merkur, die deutsche Zeitschrift für europäisches Denken. Seit meinem Umzug nach Köln im Jahr 1987 wächst diese Sammlung um weitere Jahrgangsbände, die ich in jedem Frühsommer in [...]

Wildes Denken

Dem Kunstgelehrten und Büchersammler Aby Warburg wird ein Zitat zugeschrieben, das es wohl ganz gut trifft: “Die Juden sind zweitausend Jahre länger Patient der Weltgeschichte gewesen.” Länger als? Die Deutschen, vermute ich.

Lesebuchgefühle

Die Schule hatte für mich bis zur Oberstufe nur wenig Zauber. Doch einmal im Jahr weckte sie meine Neugier, denn das frische Lesebuch des jeweiligen Schuljahres wurde verteilt. Ich konnte es kaum bis Schulschluss erwarten. Zu Hause angekommen, fläzte ich mich in einen Sessel und blätterte es von vorne bis hinten durch.