Weitergehen

 
„Während ich, bevor Karrer verrückt geworden ist, nur am Mittwoch mit Oehler gegangen bin, gehe ich jetzt, nachdem Karrer verrückt geworden ist, auch am Montag mit Oehler. Weil Karrer am Montag mit mir gegangen ist, gehen Sie, nachdem Karrer am Montag nicht mehr mit mir geht, auch am Montag mit mir, sagt Oehler, nachdem Karrer verrückt und sofort nach Steinhof hinaufgekommen ist.“
 
„Während ich, bevor Bojana vom Clubben genug hatte, nur am Samstag mit Milica ausgegangen bin, gehe ich jetzt, nachdem Bojana vom Clubben genug hat, auch am Sonntag mit Milica aus. Weil Bojana am Sonntag mit mir ausgegangen ist, gehst du jetzt, nachdem Bojana am Sonntag nicht mehr mit mir ausgeht, auch am Sonntag mit mir aus, sagt Milica, nachdem Bojana jetzt genug hat und vor der Glotze klebt.“
Thomas Bernhard, Gehen Barbi Markovic, Ausgehen

Der linke Text sind die ersten Zeilen des klassischen Bernhard-Textes „Gehen“, der als Einstiegsdroge zum lauten Vorlesen empfohlen sei. Der rechte Text sind die ersten Zeilen von „Ausgehen“, der respektvoll-frechen Verbeugung einer Germanistikstudentin aus Serbien vor „Gehen“ und dem Textuniversum Thomas Bernhards; er ist aber auch eine Geschichte und Erzählung sui generis über die Welt der Nachtmenschen und Ausgeher.

Barbara Markovic
Ausgehen
Frankfurt: Suhrkamp 2009
96 Seiten, EUR 12,-

Unendliche Freude

Die Monster der Weltliteratur enthalten in ihren Titeln oft einen ironischen Wink für den Leser. „Fluss ohne Ufer“ von Hanns Henny Jahnn? Dort bin ich nach gut elfhundert Seiten abgesoffen, ohne Land in Sicht. „Zettel’s Traum“ von Arno Schmidt? Der Versuch, mehr als ein paar Seiten zu dechiffrieren, verschaffte mir Albträume.  „Dessen Sprache du nicht verstehst“ von Marianne Fritz? Die Erinnerung an das mühsame Entziffern einer Sprache, die nicht von dieser Welt stammt. „Unendliche Freude“ weiterlesen