Klageschrift

Strachwitz hatte dieses Gefühl bereits einmal gespürt. Es war wohl vor einem Jahrzehnt gewesen, als er über Monate hinweg den Tag mit einem Blick in den Abfall begonnen hatte. Abfall für alle. Kein Tag war für Strachwitz zufriedenstellend gewesen, wenn er nicht den Abfall betrachtet hatte. Auch damals war anlässlich des Verschwindens des Blogs dieses Gefühl des Verlusts entstanden. Als ob etwas Wichtiges fehlen würde, hatte er Carus am Telefon gesagt. Wie eine Amputation oder wie ein Liebesverlust? hatte Carus einige Tage später in einem Brief zurückgefragt. Das Gefühl einer Amputation. Dieses Gefühl, das Strachwitz auch vor wenigen Tagen wieder gespürt hatte, als er in der Klage gelesen hatte, dass die Klage zum Zeitpunkt seines Berlinbesuchs bereits beendet sein würde. Er würde nicht einmal mehr einen Besuch auf der Abschiedsparty geschafft haben können, denn als Strachwitz von der bereits stattgefunden habenden Feier gelesen hatte, war er gerade von einem gemeinsamen Parisaufenthalt mit Knobelsdorff zurück und einige Tage ohne Internet gewesen. Tage ohne Klage. Bis auf weiteres, hatte Strachwitz nickend gemurmelt, ehe er sich in die abgedunkelte Bibliothek zurückgezogen hatte, die weiße Flügeltüre langsam hinter sich schließend.

Der Mann des Jahrhunderts

Am 28. Juni 1912 reisen der Versicherungsangestellte Dr. jur. F. Kafka und der Postangestellte Dr. jur. M. Brod von Prag nach Leipzig zu einem Treffen mit den Verlegern Ernst Rowohlt und Kurt Wolff. Die beiden jungen Autoren benutzen für die Verhandlungen eine erprobte Arbeitsteilung: Zunächst redet Brod mit den beiden Verlegern allein; dann, am Nachmittag, wird Kafka hinzu gebeten. Durch Brod wohl vorbereitet, sind die Verleger stark interessiert; eine Situation, die der in eigener Sache stets skrupulöse Dr. Kafka niemals hätte aushandeln können. Rowohlt und Wolff versprechen, das erste Buch des Autoren zu veröffentlichen. Dr. Kafka verspricht, bald ein Manuskript zu senden. Danach verlassen die beiden Leipzig. „Der Mann des Jahrhunderts“ weiterlesen