Deutsche Novellen

Der gemeinsame Nenner der hier vorgestellten Bücher: Die (männlichen und weiblichen) Autoren beherrschen das Handwerk mit einer beeindruckenden Präzision. Ihre Texte sind kühl kalkuliert. In unprätentiösem Stil wird leichthändig und realistisch erzählt. Knappe, wirkungsvoll eingesetzte sprachliche Mittel schaffen eine stimmige Atmosphäre.

Immer wird zum richtigen Zeitpunkt eine Zigarette angezündet, ein Blick geworfen, eine Tasse Tee langsam ausgetrunken. Auch das Wetter, das Licht passen zum Fortgang der Texte. Nichts Überflüssiges passiert, die Handlung ist geschickt ausbalanciert. Die Hauptfiguren sind klar gezeichnet, ohne schrille Karikatur oder flacher Pappkamerad zu sein.

Die Autoren der deutschen Jungnovellistik können viel. Sie schreiben dicht, klar, fesselnd, ausgewogen, nachdrücklich. Selbst kleinere Schwächen wie überdeterminierte Konflikte, verschwindendes Personal, zu stark versachlichte Emotionen verblassen vor der glänzenden Prosa. Trotzdem schleicht sich dem intensiven Leser nach einiger Zeit ein gewisses Unbehagen in den Kopf. Irgendetwas stimmt hier nicht, das alles ist eigentlich zu perfekt.

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