Die 2. Generation

Das Selbstporträt aus den 1880er Jahren, eine Bleistiftzeichnung, zeigt Walther Rathenau als grüblerisch blickenden jungen Mann. Er ist an Malerei und Literatur interessiert, studiert aber Physik, Chemie, Maschinenbau und Philosophie. 1892 tritt er in die väterliche Firma ein. Der Manager Walther Rathenau baut die AEG zu einem globalen Konzern aus. Der philosophische Autor analysiert die gesellschaftlichen Entwicklungen des Industriezeitalters in drei erfolgreichen Büchern. Der Kriegsskeptiker und Befürworter eines raschen Status-quo-Friedens organisiert bis 1915 als Staatsekretär die Rohstoffbewirtschaftung. Der Demokrat engagiert sich direkt nach der Revolution von 1918 in Publikationen und mehreren Ämtern für die Weimarer Republik und die europäische Versöhnung. Der Außenminister Walther Rathenau beginnt seine Amtszeit am 1. Februar 1922 und plant eine Politik der europäischen Kooperation. Walther Rathenau wird am Vormittag des 24. Juni 1922 das Opfer eines Attentats der völkisch-rechtsradikalen „Organisation Consul“.

Der Gründer

Als Dietrich Bassermann 1654 nach Ostheim zieht, um die zerstörte Mühle an der Straße nach Windecken aufzubauen, beginnt er ein riskantes Unternehmen. Ostheim, eine kleine und ehemals wohlhabende Marktgemeinde in der Grafschaft Hanau, wird 1635 erst von weimarischen, dann von kaiserlichen Truppen geplündert und abgebrannt. Seit diesem Jahr ist Ostheim verödet. Erst nach dem Westfälischen Frieden von 1648 kehrt der überlebende Teil der Bevölkerung zurück. Bassermann hofft auf Rückkehrer oder Neuansiedler, und seine Rechnung geht auf. Schon bald ist er der größte Steuerzahler des Ortes. 1675 zieht er sich, inzwischen Witwer, auf das Altenteil zurück. Mit seinen sechs überlebenden Kindern wird er Stammvater einer Sippe aus Unternehmern, Schauspielern, Theologen, Juristen und Politikern. Bekannt ist die Konservendosenfabrik Sonnen-Bassermann, die sein Nachkomme Max Bassermann 1874 gründet und deren Produkte seit 1999 eine Marke der H. J. Heinz Company, Pittsburgh, USA, sind.

Eine Künstlerpersönlichkeit

Seit 1958 arbeitet der 1910 geborene Bauer Franz Gsellmann aus Kaag in der Steiermark an seiner Weltmaschine. Sie steht in einer kleinen Kammer neben seinem Hof, sechs Meter in der Breite und drei Meter in der Höhe. Der Bauer Franz Gsellmann baut folgendes in die Weltmaschine ein: Vogelpfeifen, Kruzifixe, Lampenschirme, Zahnräder, eine Sauerstoffflasche, einen Taucherhelm, kleine Windmühlen, eine Trockenhaube, zwei Blaulichter, vier Porsche-Gebläse, eine Spielzeug-Weltraumkapsel aus Japan, 25 Elektromotoren und zwei tausend andere Dinge. Der Bauer Franz Gesellmann gilt in seinem Heimatdorf als Sonderling. Er beendet die Konstruktion im Jahre seines Todes, 1981.

Die Kaiserschere

Ich gehe mit dem Jahrhundert.

Diesen Satz wird meine Großmutter wohl tausend Mal gesagt haben. Geboren am 9. September 1900, erlebte sie die prägenden Jahre ihres Lebens mitten im Kaiserreich Wilhelms II. Bis ins hohe Alter erzählte sie von der Einweihung der Bahnlinie Iserlohn – Dortmund im Jahre 1910. Dort hatte sie Gelegenheit, den Kaiser aus kurzer Entfernung zu bewundern und ihn aus seinem Salonwagen steigen zu sehen. „Die Kaiserschere“ weiterlesen