Die paradoxe Situation der Gegenwart (3)

Es ist interessant, die Hersteller von Produkten minderwertiger Qualität über ihre Erzeugnisse reden zu hören. Irgendwann fällt das Wort „wertig“, meist im Zusammenhang mit dem Erscheinungsbild der Verpackung. Ein gerade noch vorhandener Rest kreatürlicher Scheu scheint den Gebrauch von Worten wie „hochwertig“ oder „wertvoll“ zu verhindern. Sie wissen, was sie tun.

Enzyklopädie der Quergängerei

Ein Mann, der sich für einen Bäcker ausgab, kräftig gebaut, vierzig Jahre alt, vielleicht aber auch älter war, trat unter dem Vorwand, ein Bier, und zwar ein sogenanntes Maß, zu trinken, in eine Wirtschaft hinein. Einen Anlaß, über ihn zu reden, gibt es nicht. Als er das Bier getrunken hatte, ging er schweigend hinaus und die Straße hinab, wo man ihn um eine Ecke biegen sah.

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Wir träumen von elektrischen Schafen

Das Philip K. Dick-Universum ist ein besonderer Ort. Es gibt dort nonchalante Kofferpsychiater und Türen, die zum Öffnen überredet werden müssen. Menschlich wirkende Roboter mit künstlicher Intelligenz nehmen ihre humanistisch inspirierte Programmierung sehr ernst. Die Protagonisten sind meist Angestellte, oft Techniker. Sie sind in unübersichtliche, widersprüchliche Ereignisse verstrickt und werden von Chefs oder Kollegen manipuliert. Nichts ist, wie es scheint und jederzeit kann sich das Gegenteil als wahr erweisen.

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Ich lüfte den Hut, obwohl mir nicht warm ist

Die Floskel „Hochachtungsvoll“ ist nur eine solche und außerdem ausgestorben. Es ist heute leider kaum möglich, jemandem seine Wertschätzung auszudrücken, ohne in Peinlichkeit zu enden. Meist wird „Respekt“ geäußert – einer von vielen Anglizismen, die einen guten deutschen Begriff durch ein schwaches Lehnwort aus dem Englischen ersetzen, denn „respect“ bedeutet in erster Linie „(Hoch-)achtung“.

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Ich grolle nicht

Die Musik der Romantik, vor allem die Lieder und die kammermusikalischen Klavierstücke gehören zu meinen heimlichen Favoriten. Sie müssen aber erheblich interpretiert werden – also dunkel, unruhig, ohne Angst vor Gefühl. Sie dürfen nicht zum verwaschen säuselnden Klingklangklong eines kulturbeflissenen Provinzmusik-Abendprogramms erstarrt sein.

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Kurze Geschichte des deutschen Waldes

Eine ungefähr 6 Wochen alte Eiche

Niemand in diesem Teil Germaniens kann behaupten, bis an das Ende des Waldes gekommen zu sein, auch wenn er 60 Tagereisen vorgedrungen war. (Gaius Iulius Caesar, De Bello Gallico, VI, 25)

Obwohl sich das Land nach seiner Erscheinung beträchtlich unterscheidet, ist es doch im allgemeinen entweder mit schrecklichen Wäldern oder abscheulichen Sümpfen bedeckt. (Publius Cornelius Tacitus, Germania, 5)

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Aus dem Paralleluniversum

Die Spuren von Joachim Lottmann sind in Köln überall zu sehen. Tief eingegraben in die Ringe, das belgische und das Friesenviertel; die Fußstapfen eines Titans. Manche Viertel atmen noch heute den Geist des Erfinders, wenn nicht Entdeckers der Popliteratur. Carlo vom Cafe Schwan in der Aachener Strasse zeigt mir einen Sessel: abgeschabtes grünes Leder, blind gewordene Polsternägel, die Sitzfläche etwas ausgeleiert. Früher saß hier Joachim Lottmann.

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Ravergirl

Die 15jährige Maria Antonia ist nichts weiter als ein Pfand für die Heiratspolitik ihrer Mutter, der österreichischen Kaiserin Maria Theresia. 1770 wird sie zur Gattin des jungen französischen Thronfolgers Louis bestimmt. In einem Rite de Passage betritt sie ihre neue Heimat vollkommen nackt und wird neu eingekleidet; nichts soll an ihre alte Existenz erinnern.

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Der Gutshof von Doktorsdhünn

Die Dhünn ist ein linksseitiger Zufluss der Wupper und mündet in ihr nur sehr knapp vor der Wuppermündung zum Rhein. Zwischen Wermelskirchen, Wipperfürth, Kürten und Odenthal ist sie zur Dhünntalsperre aufgestaut, die mit 380 Metern Kronenlänge zu den größten Sperrwerken der Welt gehört. Für sie werden einige Dörfer umgesiedelt, auch Doktors­dhünn, das sich in den Kirchenbüchern bis in das 17. Jahrhundert verfolgen lässt.

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